Die Geschichte zum A-Wurf

Das erste Mal
oder
Eszti und die sieben Zwerge

Die Voraussetzungen für den ersten Wurf meiner Hündin Eszti waren alle geschaffen: Die Zuchtzulassung erteilt, der Zwingerschutz von VDH und FCI bestätigt, eine Wurfkiste gebaut (Danke Matthias!), der Deckrüde ausgesucht und „reserviert“ – es konnte also losgehen!
Der Abstand zwischen den Läufigkeiten betrug bei Eszti zuverlässig immer genau fünf Monate, war also Mitte April das nächste Mal fällig. Das passte doch gut: Ende April decken lassen, Ende Mai noch der bereits gebuchte Urlaub in Dänemark und dann in Ruhe auf die Welpen Ende Juni warten. - Denkste!
„Welpen?!“, dachte Eszti, „Klasse! Da werde ich mal lieber sofort (nach nur vier Monaten) läufig. Je eher desto besser!“
Na toll, prompt lief also schon alles anders als ich ursprünglich so schön vorausgeplant hatte. Puli-Hündinnen haben eben keinen Terminkalender ...
Schnell die Rüdenbesitzerin angerufen, ob sie nicht zufällig im Urlaub ist (war sie glücklicherweise nicht), in der Firma Bescheid gesagt, dass ich mal eben mit meiner Hündin zum decken fahren muss und deshalb jetzt schon Urlaub brauche und mit fachkundiger Unterstützung in Person von Dagmar Bombeck, Eszti’s Züchterin und meiner „Zucht-Mentorin“ ab nach Burgdorf zu Portás, damit wir auch pünktlich ab dem 10. Tag der Läufigkeit unser Glück versuchen konnten. Hoffentlich klappt es auch ....
Die Sorge war völlig überflüssig. Kaum hatten die beiden sich gesehen, da hatten wir Besitzer nur noch das Problem, die zwei von der Strasse weg auf eine Wiese zu bekommen, bevor sie eifrigst zur Tat schritten. Also „Liebe“ auf den ersten Blick. Und erst Eszti’s Getobe hinterher, die reinste Lebensfreude! Portás war hierbei eher nicht mehr so geneigt mitzumachen :-) Dies wiederholte sich genauso an den zwei folgende Tagen und danach waren wir sicher, dass Portás und Eszti ihr Bestes für eine erfolgreiche Schwangerschaft getan hatten.
Wieder zu Hause hiess es nun den Urlaub umplanen, denn am 31. Mai mit den Hunden aus Dänemark zurückkommen, wenn man um den 02. Juni herum die Welpen erwartet, war wohl nicht so geschickt. Glücklicherweise konnte der Urlaub verlegt, das Ferienhaus umgebucht und die Urlaubsbegleitung auch überzeugt werden. Hoffentlich war Eszti jetzt auch wirklich tragend! Drei Wochen bis zum Ultraschall können ganz schön lang sein ....
Dann war der grosse Tag da. Auf in die Klinik, Bauch rasieren (Äih, was soll das???) und unter’s Ultraschallgerät. Da waren sie: Drei Stück an der Zahl und ganze 3,1 mm „gross“ – mit Beweisfoto, das natürlich sofort an alle Beteiligten und andere Opfer gemailt wurde.
Auf dem Ultraschall sieht man selten alle Welpen, sagten der Tierarzt und andere Informierte. Aber bei Eszti’s Grösse von nur 37 cm und den Erfahrungen mit Mutter’s und Schwester’s diversen Würfen waren wohl nicht mehr als maximal fünf Welpen zu erwarten, lernte ich. (AHA?!)
Die restlichen sechs Wochen Wartezeit gingen eigentlich recht schnell vorbei. Eszti’s Bauch wurde langsam kugelförmiger und die Spaziergänge am Strand von Römö waren als „Schwangerschaftsgymnastik“ gut geeignet.
Wieder zu Hause wurde die Wurfkiste aufgestellt und eine Matratze für mich davor bereitgelegt. Jetzt konnte es jeden Tag losgehen. Die arme Eszti platzte ja inzwischen auch beinahe. (Hast Du sie etwa zu gut gefüttert? - Nein, sie bekommt nicht mehr als sonst auch! - Hmmh?!)
Am Morgen des 31. Mai 2003 kamen die ersten Anzeichen einer bevorstehenden Geburt. Eszti wollte nichts fressen, rannte unruhig in der Wohnung rum, hechelte, die ganze Palette eben.
Aber so richtig los ging es dann erst am frühen Abend. Endlich erschien eine winzige Nase in eine Eihülle verpackt an Eszti‘s hinterem Ende ...
Der erste Welpe machte meiner Kleinen noch ganz schön zu schaffen, aber schließlich war er draussen - ein Junge! Sofort war Eszti in ihrem Element. Nabelschnur durchbeissen, den Zwerg aus der Eihülle befreien, ablecken und schon war er unterwegs in Richtung Zitzen und trank.
Unglaublich! Ich hätte heulen können, aber für zu viel Rührung war keine Zeit. Schnell noch Nummer 1 mit Nagellack am Ohr kennzeichnen, wiegen und Geburtsgewicht notieren und schon folgte nach knapp 20 Minuten Nummer 2. Ich half Eszti, indem ich sofort nach der Geburt die Eihülle um die Nase öffnete und Eszti übernahm wieder souverän den Rest. Schlag auf Schlag folgten die nächsten Babies 3, 4, und 5 – hallo, es reicht jetzt aber!
Nix da, der sechste will auch noch raus! Ganz schön stressig für Eszti und mich mit ablecken (Eszti, nicht ich), trinken lassen, wiegen und kennzeichnen, wenn immer schon der nächste Welpe auftaucht, kaum dass der vorherige fertig ist. Wie war das? HÖCHSTENS fünf Welpen?! Ja ja, Eszti schafft auch da wohl lieber ihre eigenen Regeln ...
Dann war Ruhe! Nachdem alle getrunken hatten und schliefen, packte ich die Kleinen in eine Kiste mit einer warmen kuscheligen Decke und säuberte die Wurfkiste, legte sie neu mit Handtüchern aus und wusch auch Eszti’s Hinterteil ab, da sie sich offenbar so klebrig und verschmiert von den Geburten unwohl fühlte. Dann lagen alle sauber und zufrieden in der Wurfkiste und die Kleinen nuckelten schon wieder. Drei Jungs und drei Mädchen, wenn das keine Gleichberechtigung ist!
Und dann?! Ups, da war doch noch was: Mit einer Stunde Verspätung kam dann tatsächlich auch noch eine Nummer 7, weiblich! Jetzt hatte sich Eszti aber einen Orden für „ Sieben auf einen Streich“ verdient und ausserdem war die Frauenquote wieder erhöht worden!!! Ach so, wie war das noch – es sind eigentlich immer mehr Rüden als Hündinnen in einem Wurf??!! Ich sag‘ ja, Eszti’s eigene Regeln ...
Also nochmal saubermachen und vorsichtshalber weiter beobachten, ob nicht noch einer drinnen vergessen wurde. War aber nicht, also konnten wir uns jetzt endlich wirklich ausruhen und Eszti wollte auch wieder fressen und das nicht zu knapp!
Am nächsten Morgen, dem 01.06. wurde erstmal der anlässlich der Weltausstellung in Dortmund versammelte PuK über Dagmar’s Handy informiert.: „Hallo ich bin’s!“ – „Und????“ – „Gestern Abend, sieben Stück!“ – „ WAAAAS, WIIIIEVIIIIIELE??? HIER IST ES SO LAUT???“ – „ SIEBEN!!!“ – „Unglaublich, Jubel, Glückwunsch, he hört mal alle ...“. Und schon waren die tollen Neuigkeiten verbreitet. Zur gleichen Zeit am Vorabend war auch bei Eva Schauer im Zwinger Zottel’s ein Wurf mit sieben Welpen geboren. Hier waren es vier Jungs und drei Mädchen. Insgesamt hatten wir also von beidem sieben Stück. Das war doch ein Grund zum feiern!
Die nächsten Tage und Nächte verbrachten wir (Eszti, Toffi & ich) hauptsächlich in der Nähe der Wurfkiste, wo ich auch auf der schon erwähnten Matratze übernachtete. Eszti machte alles hervorragend und hatte auch für alle sieben Zwerge genug Milch. Sie frass aber auch wie ein Scheunendrescher und bekam drei Mahlzeiten am Tag, die neben dem (Hochleistungs-) Trockenfutter und dem üblichen Dosenfutter auch noch Rinderhack und 40%igen Quark beinhalteten.
Toffi durfte in den ersten drei Tagen nicht an die Welpen ran, aber dann änderte Eszti ihre Meinung und Toffi stürzte sich kopfüber in seine Aufgabe als Onkel. War Eszti mal ausnahmsweise nicht in der Wurfkiste, legte er sich rein. Und wehe ein Welpe quiekte, da war er fast schneller da um nach dem Rechten zu sehen als die Mama selbst. Auch abgeleckt und gesäubert hat er die Kleinen, nur mit dem säugen klappte es nicht und Toffi guckte immer ziemlich irritiert, wenn einer der Welpen unter seinem Bauch rumsuchte und nuckelte.
Mein Tagesablauf war mittlerweile auch eingespielt und auf die Welpen abgestimmt: Jeden Morgen nach der Morgenmahlzeit der Welpen die Kleinen wiegen und Gewicht notieren, in eine warme Kiste legen und zudecken, mit Mama und Onkel zu einem kurzen Spaziergang raus, wieder zurück, Eszti und Toffi füttern und die Wurfkiste saubermachen, Toffi’s Nase aus der Welpenkiste nehmen und die Zwerge wieder zu Mama in die Wurfkiste legen, wo sie dann auch schon wieder tranken. Das gleiche wiederholte sich noch mittags und abends.
Nach ca. einer Woche schliefen die Babies auch nachts mehr oder weniger durch und ich musste keinen mitternächtlich in der Wurfkiste verirrten quiekenden Welpen mehr bei Eszti anlegen. Damit hatte auch die Zeit auf der Matratze vor der Wurfkiste ein Ende und ich konnte meistens wieder die ganze Nacht schlafen. (Juchhu!)
Bis zur dritten Lebenswoche änderte sich nicht viel am täglichen Ablauf, aber dann fing der Nachwuchs langsam an munterer zu werden und erste Laufversuche zu starten. Augen und Ohren konnten inzwischen auch benutzt werden und die Wurfkiste wurde langweilig. Also Klappe auf und die Kleinen erkundeten zunächst die Küche und fingen an, das bereit liegende Spielzeug zu benutzen. Nun kamen auch die ersten Welpeninteressenten zu Besuch, die vorher immer schon per eMail mit Fotos versorgt worden und natürlich nun entsprechend neugierig waren. Ob wohl alle Sieben ein schönes neues zu Hause finden würden?!
Nun begann die eigentlich stressige Zeit. Hatte anfangs noch Eszti alle „Hinterlassenschaften“ der Kleinen entsorgt, war es mittlerweile etwas viel für sie, da immer grösser werdende Welpen auch immer grössere Haufen und Pfützen produzieren. Also hiess es nun neben allem anderen auch noch zweimal täglich Küche und das mittlerweile welpensicher ausgeräumte und eroberte Wohnzimmer (Laminatboden) wischen, den (abgeteilten) Garten von Haufen befreien und auch zwischendurch immer wieder aufsammeln bzw. aufwischen. Es lebe der allgegenwärtige Wischmop!
Zum schlafen legten die Monster sich genau da hin, wo sie gerade gespielt hatten. Die Wurfkiste war inzwischen uncool geworden und anscheinend nur für Babies und nicht mehr für Halbstarke geeignet.
Es machte riesig viel Freude, die heranwachsenden Welpen zu beobachten. Jeden Tag lernten sie neue Dinge, erfanden ihre eigenen Spiele und entdeckten in Wohnung und Garten die Welt. Dank der Welpenkäufer, die teilweise auch weite Anfahrtswege z.B. aus den Niederlanden nicht scheuten und besonders der vielen Besucher aus dem Freundes- und (Hundeplatz-) Bekanntenkreis lernten die Krümel auch viele verschiedene grosse und vor allem auch kleine Menschen kennen, so dass sie auf jeden spontan und freundlich zugingen und keine Scheu zeigten.
Ihre Neugier und ihr Tatendrang wurde durch viele verschiedene Spielzeuge und einen im Garten aufgebauten Spiel- und Kletterparcours befriedigt und so waren die Kleinen ständig beschäftigt und in Action. Natürlich waren auch Toffi’s und Eszti’s Zotten sehr beliebt für’s tauziehen.
Ab der dritten Woche hatten die Welpen so langsam gelernt zu fressen und so ergänzten die fünf Welpenmahlzeiten pro Tag inzwischen den täglichen Zeitplan. Erstaunlicher und vorbildlicher Weise säugte Eszti, inzwischen auch Super-Mama genannt, aber bis zur Abgabe mit acht Wochen auch noch alle sieben Welpen zweimal am Tag, was, wie ich von erfahrenen PuK-Züchtern erfuhr, nicht die Regel ist.
Die letzte Hürde, die wir nun noch nehmen mussten, war die Wurfabnahme inkl. Chippen, um die VDH-Papiere zu erhalten. Ich war schon ziemlich nervös, ob ich wohl alles richtig gemacht hatte bei diesem ersten Mal und wie es wohl laufen würde. Aber jede Sorge war unbegründet: Unsere Hauptzuchtwartin Frau Gerda Händschke zog das ganze Prozedere assisitiert von ihrem Mann wie erwartet natürlich überaus kompetent, aber auch ganz besonders herzlich und freundlich durch. Selbst das Chippen (So eine grosse Kanüle und so kleine Hunde???!!!) war kein Problem und die Welpen wurden durchgehend als „gut gelungen“ bewertet. Da waren Eszti und ich natürlich sehr stolz, wobei man aber auch die Beteiligung von Papa Portás an der „ Produktion“ keinesfalls unerwähnt lassen darf!
Nur eine Woche später im zarten Alter von acht Wochen zogen sechs der sieben in ihre neuen Familien um. Das war ein trauriger Tag für mich, aber die glücklichen Gesichter der frischgebackenen Puli- Besitzer, die sich auch alle später mit Berichten über ihre neuen Familienmitglieder bei mir meldeten, halfen etwas über die Trennung hinweg. Natürlich hoffte ich den Nachwuchs auch zukünftig noch öfters zu sehen oder von ihm zu hören.
Nummer 7, der kleine Rüde Alakos, machte mir den Abschied am schwersten. Da seine neuen Besitzer noch in den Urlaub fuhren, blieb er bis zum Alter von gut elf Wochen bei mir und begleitete Toffi, Eszti und mich überall hin und machte alles mit, was wir so unternahmen. Er ist einfach ein super freundliches und aufgewecktes Kerlchen und wäre er nicht bereits verkauft gewesen, als seine Zeit alleine ohne seine Geschwister mit uns begann, wäre er sicher mein dritter Puli geworden.

Fazit: Viel Arbeit, umgeräumte Wohnung, schlaflose Nächte, komplett verbratener Jahresurlaub und Trennungsschmerz, aber es ist jede einzelne Minute wert! Die Freude an den Kleinen entschädigt einen mehr als genug für den Aufwand und es wird hoffentlich nicht der letzte Wurf im Zwinger von den Puszta-Strolchen gewesen sein!