|
(Mit Klick auf die Bilder geht es zu den Fotogalerien!)
Der Besuch eines Landsmót, der alle zwei Jahre stattfindenden Isländischen Landesmeisterschaft der Zucht- und Sportpferde, stand schon lange auf meiner Wunschliste. Da das Landsmót 2008 in Hella stattfand, also nur ca. 20 Fahrminuten von Egilsstadir1 entfernt, habe ich natürlich die Gelegenheit genutzt! Astrid, eine Freundin aus „Isi-Kreisen“ und sehr zuchtinteressiert, war begeistert von dem Plan und buchte kurz entschlossen mit.
Nach ein paar Hindernissen bei der Anreise – das Bodenpersonal in Island streikte ausgerechnet am Tag unserer Ankunft - landeten wir nach einem Flug von Eindhoven über München nach Island nachts um 02:00h doch noch in Keflavik und wurden von den leicht verschlafenen Helfern Ruth und Alli am Flughafen in Empfang genommen. Wir waren logischerweise nicht die einzigen Gäste, die mit den Streikfolgen zu kämpfen hatten. Bei einem Gast aus Österreich kam das Gepäck erst zwei Tage später an und so hatte direkt Jeder Abenteuerliches über die Anreise nach Island zu berichten :-))
Aber das alles tat der Stimmung auf Egilsstadir1 keinen Abbruch. Die Gäste-Konstellation während der zwei Wochen war bunt gemischt und diesmal aufgrund des viele Besucher anlockenden Landsmóts auch recht zahlreich: drei Mädels aus Österreich, sechs waschechte Bayern, zwei Original-Eiflerinnen und wir beiden Rheinländerinnen. Das „Gästeteam“ war einfach klasse und wir hatten jede Menge Spaß und lernten auch fleißig „Fremdsprachen“ von den Österreichern und Bayern. Jeden Abend nach dem Essen saßen wir noch lange zusammen, immer fröhlich, manchmal auch recht feucht :-)) und auf jeden Fall lebhaft und gesprächig. Wie immer fehlten auch die isländischen Gesangseinlagen begleitet von Óli auf der Gitarre nicht und wir bemühten uns redlich, die isländischen Liedertexte von den ausgeteilten Textblättern mitzusingen!
An einem Abend kam kurz nach dem Essen Christiane in den Wintergarten und fragte, ob jemand Lust habe, dem Nachbarn beim Zusammentreiben und Sortieren der Stutenherde zu helfen, da der Deckhengst für dieses Jahr angekommen sei und zu den Stuten gelassen werden solle. Keine Frage – wir hatten natürlich alle Lust und so bekamen wir die Gelegenheit die noch ganz jungen Fohlen des Jahrgangs 2008 – alle vom Hengst Tvistur frá Breidholti – kennenzulernen. Vielen der Fohlen hatte der Vater seine Scheckung mitgegeben und sie waren alle recht hübsch. Besonders ein Stutfohlen mit sehr schöner Aufrichtung und netten Bewegungen fiel mir auf, das mich ins Grübeln brachte, da sie aufgrund Ihrer Farbe ja auch noch gut als Prinzessin zu Prins passen würde. Óli grinste nur, als ich das zu ihm sagte … :-)) Auch der neue Hengst, ein dreijähriger schwarzer Kjarval fra Saudarkroki Sohn mit schönem Gebäude und umgänglichem Charakter, war sehr interessant. Ich bin gespannt auf seine Fohlen in 2009, die ich mir auf jeden Fall anschauen werde!
Die Reittouren unterstützt von Helferin Sarah und natürlich Óli oder Christiane waren ebenfalls wieder super! Jeder Gast hatte schnell ein Lieblingspferd für sich gefunden (ich brauchte ja Dank Prins nicht erst lange zu suchen :-)) und alle Mitreiter waren immer hilfsbereit, aufmerksam und rücksichtsvoll beim Reiten in dieser doch recht großen Gruppe und während und nach jedem Ritt sah man rundum strahlende und zufriedene Gesichter. Der reiterliche Höhepunkt war mal wieder der Ritt zum Meer und der flotte Galopp oder Tölt am schwarzen Sandstrand, jedes Mal wieder ein Erlebnis …

Auch die Ausflüge wurden von Allen gerne mitgemacht und die Begeisterung über die isländische Natur und Sehenswürdigkeiten kannte kaum Grenzen. Aus besonderem Anlass wurde diesmal ausnahmsweise der Besuch von Landmannalaugar in das Ausflugsprogramm aufgenommen. Schon die Fahrt dorthin durch das Hochland war faszinierend, aber Landmannalaugar selbst mit seinen fantastischen Farben war einfach die Krönung. Danke nochmals an Christiane für das Durchhalten beim stundenlangen Fahren über die Rüttelpiste! Das war eine echte Ausdauer-Leistung und wir alle wissen dieses ganz besondere Ausflugs-Erlebnis zu schätzen!

Nun aber zum Landsmót: Diese Veranstaltung ist nicht „nur“ eine Islandpferde-Meisterschaft auf der die allerbesten Zucht- und Sportpferde aus ganz Island, die sich im Vorfeld natürlich qualifizieren müssen, gegeneinader antreten um die Besten der Besten zu küren. Das Landsmót wird von den Isländern auch als eine Art Volksfest betrachtet, das von der ganzen Familie vom Kleinkind bis zu Oma und Opa besucht wird. Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Infoveranstaltungen rund um’s Islandpferd, einem Wikingerdorf, Verkaufsständen etc. und jeden Abend finden Partys mit Musik im großen Zelt statt.
Erster Höhepunkt des Landsmóts war für mich die Eröffnungsfeier. Der Einmarsch der vielen Reiter auf ihren Pferden mit den Flaggen der ganzen isländischen Reitvereine, das Singen der Nationalhymne und verschiedener isländischer Volkslieder unter Leitung eines bekannten isländischen Opernsängers, stimmgewaltig unterstützt von den Besuchern auf den Tribünen, verursachten eine richtige Gänsehaut.
Natürlich waren auch die Zuchtpferde einfach großartig. So viele wirklich außergewöhnlich talentierte und schöne Islandpferde auf einmal gibt es nirgendwo anders auf der Welt zu sehen! Das Programmheft enthielt dementsprechend viele berühmte Namen in den Abstammungen der vorgestellten Tiere. Die Züchter, Besitzer und Reiter der Sieger und Platzierten waren mit Recht sehr stolz auf Ihre Pferde!

Ein weiteres Highlight war die Ehrung der Hengste für Ihre Nachkommen. Hier waren die Preisträger 2008 u. a. Saer frá Bakkakotti, Hródur frá Refsstödum und Aron frá Strandarhöfdi. Toll, diese Berühmtheiten mal live zu erleben! Vor allem aber die Vorstellung des Preisträgers Hágangur frá Narfastödum war sehenswert und wurde mit lautstarkem Applaus von den Tribünen honoriert. Hágangur wurde nämlich von seiner Besitzerin Ingunn Ingólfsdóttir selber präsentiert und die war 2008 gerade mal sieben Jahre alt! Ein wirklich toller Moment!
Auch die Gestütsschauen waren sehenswert. Hier präsentierten viel bekannte Gestüte Ihre Stammhengste und Nachzucht und die Landsmót-Besucher konnten zum Schluss per SMS für ihr Lieblings-Gestüt abstimmen. Gewonnen hat 2008 das Gestüt Blesastadir aus Selfoss mit seiner sehr interessanten und erfolgreichen Zucht.
Ebenfalls sehr spannend waren die Sport-Finals am letzten Tag. Hier wurde in allen Alterklassen und Prüfungsarten um den Titel des Landsmót-Siegers geritten. Im Töltfinale konnte man letztmalig das Duell zwischen Viðar Ingólfsson mit Tumi frá Stóra-Hofi und Þorvaldur Árni Þorvaldsson mit Rökkvi frá Hárlaugsstöðum auf einem Landsmót erleben. Zwei unglaublich bewegungsstarke und imposante Pferde, die sich in den letzten Jahren die Spitze im Töltwettbewerb geteilt haben. Inzwischen ist Rökkvi zu seinem Besitzer nach Schweden „ausgewandert“.
Von besonders viel Applaus begleitet waren natürlich auch die Finals der Kinderwettbewerbe. Unglaublich was die Krümel da schon auf der Ovalbahn zeigen. Auch hier stimmt natürlich das „Pferdematerial“ und nicht selten unterstützen ältere, erfahrene Turnierpferde ihre kleinen Reiter beim erfolgreichen Auftritt, was aber die Leistungen des Reiter-Nachwuchses keinesfalls schmälern soll!
Insgesamt konnte man auf dem Landsmót wahnsinnig viele unvergessliche Eindrücke sammeln und es war einfach ein rundum beeindruckendes Erlebnis. Das Landsmót 2010 auf dem Turniergelände Vindheimamelar in Skagafjörður in Nord-West Island ist schon fest im Kalender eingeplant!
Aber erstmal geht’s im kommenden September zum Reykja Réttir! Bis dahin ...
Bless bless!
|